Illustration der Geschichte
Comics aus der arabischen Welt

Anfang 2011 blickte die Welt auf den arabischen Raum. Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit schienen in greifbare Nähe gerückt. Das andauernde Ringen um einen nachhaltigen Umbruch spiegelt sich auch in Kunst und Kultur wider. Der 15. Internationale Comic-Salon Erlangen widmet deshalb eine Hauptausstellung der grafischen Literatur aus dem arabischen Raum.

Die Kuratoren Paul Derouet und Anna Gabai haben in Kooperation mit dem Goethe-Institut Kairo Nordafrika und den Nahen Osten bereist und von Künstlern aus Ägypten, Algerien, Jordanien, dem Libanon, Marokko, den Palästinensischen Gebieten, Syrien und Tunesien Arbeiten ausgewählt. Rund 20 der ausgestellten Künstlerinnen und Künstler kommen nach Erlangen. Obwohl der Arabische Frühling Initialzündung für die Auseinandersetzung mit dem arabischen Comic war, beschränkt sich die die Ausstellung nicht darauf. Zu unterschiedlich ist die Situation in den jeweiligen Ländern – zumal nicht jedes arabische Land 2011 einen politischen Umbruch erlebte.

Die Gemeinsamkeit dieser Länder ist die arabische Sprache. Seit den 1930er-Jahren wurden Comics wie „Donald Duck“, „Micky Maus“, „Superman“, „Tim und Struppi“ ins Arabische übersetzt. Viele Künstler erinnern sich an franko-belgische oder amerikanische Comics als erste prägende Lektüre. Dennoch kommen aus den einzelnen Ländern sehr unterschiedliche Comics. Diese vielfältigen Comic-Szenen, ihre Impulsgeber und Kollektive vorzustellen, ist ein zentrales Anliegen dieser Ausstellung. Wir erfahren von bereits etablierten Comicfestivals, jungen Comicmagazinen mit großem Publikum, von Comic-Szenen im Aufbruch.

Fantastische und introspektive Comics schöpfen aus den Möglichkeiten des Mediums. Ein Großteil der arabischen Comics wird für Kinder gemacht, ohne deshalb unbedingt naiv zu sein. Und sehr viele Comics aus den Ländern entlang des südöstlichen Mittelmeerufers verhandeln gesellschaftliche und politische Themen, je nachdem, wovon das Leben der Autoren geprägt ist. Sie verarbeiten Erfahrungen mit Zensur und anderen Formen staatlicher Gewalt, berichten von Krieg, Korruption und Umweltzerstörung – sowie von Hoffnung, Aufbruch und Selbstermächtigung.

In den arabischen Gesellschaften ist der Wille zur Veränderung ungebrochen. Und neben den sozialen Netzwerken scheint der Comic dabei eine wichtige Rolle zu spielen